Hannibal Lecter auf Platz 3. Sollte ich mir darüber Gedanken machen?
Unsere Stadt ist nicht sehr groß. Es ist zwar sehr gemütlich hier, aber wenn dich deine fanatische Schuhbegeisterte Freundin der Kaufzwang packt beziehungsweise du einfach mal neue Klamotten brauchst, dann ist ein Ausflug in eine größere Stadt durchaus angebracht. Erstens ist dort die Auswahl größer und man entdeckt immer wieder neue Dinge, die es im hiesigen verschlafenen Städtchen nicht gibt. So erging es mir, als ich mich in eine nahegelegene größere Stadt begeben habe. Dort besuchte ich einen namenhaften Bücherladen, da ich auf der Suche nach einem Geschenk für einen Freund war.
Jeder halbwegs vernünftige Bücherladen hat seine Bücher kategorisiert ausgestellt. Und als ich mich in die Esoterik-Abteilung, nein, in das Esoterik-Stockwerk begegeben habe, habe ich meinen Augen nicht geglaubt. Ich fühlte mich wie bei einer Sektenversammlung. Oder einem Woodstock-Konzert. Neben den Finde-Dich-Selbst-Büchern, den Duftkerzen, Räucherstäbchen, sonstigen ätherischen Ölen, Glückssteinen und was weiß ich was noch, gab es eine Entspannungshängematte und eine Handleserin. Der Raum war recht gefüllt mit Menschen. Bevor ich rausfinden konnte, welchen Anlass diese Versammlung rechtfertigte, musste ich flüchten, um nicht auch durch irgendwelche verführerischen Öle zum Anschluss an diesen Wahn gezwungen zu werden.
Ok, mal von den überspitzten Aussagen abgesehen: Ich halte nicht viel von Esoterik oder Spiritualität. Ich assoziiere damit immer eine bekiffte Person, die seicht grinsend mit zusammen gepetzten Augen vor sich her torkelt, das Peace-Zeichen mit seinen Finger geformt und von Visionen heimgesucht. Gut, dass mag jetzt übertrieben sein und nicht der Realität entsprechen – hoffe ich mal. Aber selbst wenn es so wäre, dann würde ich es auch akzeptieren. Ich habe mich bei dieser Gelegenheit nur mal wieder gefragt, woran solche Menschen glauben. Also ich glaube mal nicht daran. Nicht so. Nicht im übernatürlichen, spirituellen oder esoterischen Sinne.
Glaube ist meiner Ansicht nach nur eine Form der Verleugnung der eigenen Naivität und Unwissenheit. Und das ist gut so. Das ist wichtig. Ein Mensch, der nicht an etwas glaubt, würde sich wohl vor seiner Umwelt verschließen, an (Selbst-)Zweifel und unzähligen unbeantworteten Fragen zugrunde gehen. Glaube zu haben heißt zu hoffen, dass etwas eintrifft, wie man es sich wünscht. Das Ungewisse wird mit Glauben verdrängt. Wir wissen nicht, was nach dem Tod mit uns geschieht, daher glauben Menschen an ein Leben nach dem Tod. An Wiedergeburt. An einen Himmel. An die Hölle. DAS gibt den Menschen Hoffnung. Glauben heißt Unterstützung geben. Wenn ich weiß, dass eine andere Person an mich glaubt, dann verleiht mir das Selbstwertgefühl und Verantwortungsbewusstsein. Um den Gläubiger nicht zu enttäuschen, geben wir 150%, statt nur 100%. Und wenn sich dieses Verhalten auch nur im Unterbewusstsein bemerklich macht.
Den Glauben verstehe ich als ein individuelles Verhalten. Dieses Verhalten wird geprägt durch unterschiedliche Erfahrungen und richtet sich anhand Erziehung, sozialem und religiösem Umfeld in die unterschiedlichsten Richtungen aus. Wir können nichts mit Gewissheit sagen, aber der Glaube gibt uns ein Stück Gewissheit. Er gibt uns Hoffnung. Er gibt uns Orientierung. Er bestimmt unseren Weg und führt uns durch unser Leben wie ein roter Faden.
Was ich glaube ist, dass der Mensch sein Leben selbst in der Hand hat. Seine Entscheidungen und sein Verhalten, seine Taten und seine Fehler, all dass steuert ein Mensch selbst. Äußere Einflüsse mögen ihn vielleicht in eine Richtung zwingen, aber letztenendlich trägt der Mensch die Entscheidung. Der Glaube an was Höheres, an das Unbeschreibliche, dient ihm dabei lediglich als Stütze.
Ich habe keine Kinder. Das ist vielleicht auch ganz gut so. Ich habe dafür zwei Neffen und zwei Nichten, die Neffen von der einen Schwester, die Nichten von der anderen. Meine Neffen sind zu meinen Nichten von der Denkweise und dem Verhalten her sehr kontrastreich. Ob das eine Frage des Geschlechts ist, will ich mal dahingestellt lassen. Bis auf meine kleinste Nichte sind alle im Teenie-Alter. Was haben die drei (oder sogar doch schon vier) alle gemeinsam? Sie sind abhängig von medialen Einflüssen jeglicher Art. Sie nutzen Handys, iPods, MP3-Player, Computer(spiele), Spielkonsolen, Fernsehen usw. …
Wie erzieht man Kinder in der heutigen Zeit? Diese Frage stelle ich mir jedesmal wieder. Wie kann ich einem Kind moralische Werte beibringen, wenn es den ganzen Tag nur vom Computer sitzt und irgendwelche Monster „abballert“? Wie kann ich einem Kind beibringen, dass soziales Verhalten und der Kontakt zu anderen Menschen wichtig ist? Wir leben in einer Zeit, die viele Freiheiten mit sich bringt. Wir versuchen in demokratischen Verhältnissen zu leben, wobei es selbst hierbei noch zahlreiche Ecken und Kanten gibt, an die wir anstoßen. Nichts ist perfekt. Trotz allem müssen wir unseren Erben grundlegende Botschaften hinterlassen. Unser Vermächtnis sichert erst den Fortbestand der Menschheit. Was passiert, wenn wir das alles versäumen? Wohin werden wir uns entwicklen?
Ich stelle mir eine Zukunft vor, in der Straßen leer gefegt sind. Züge stehen still. Kaufhäuser sind nicht mehr lebendig. Die Menschen leben in kleinen Räumen. Sie bekommen ihre Welt simuliert. Und zwar was immer sie möchten. Essen und Nahrung gibt es intravenös. Oder um von der Schreckensvision des Films „Matrix“ etwas abzuweichen: Menschen bekommen Ihre Nahrung beziehungsweise Ware jeglicher Art geliefert. Von Maschinen. Während das kleine intelligente Räumchen uns einen sandigen Strand mit kristallklarem Wasser unter einer im Zenit stehenden warmen Sonne simuliert, machen wir kurz einen Abstecher ins Supernet und bestellen, was wir benötigen. Vielleicht brauchen wir noch nicht einmal das tun, weil unser persönlicher Computer den Hausbestand im Blick hat und Resourcen nachbestellt, was auch immer knapp wird. Gearbeitet wird von zu Hause aus.
Es gibt sicherlich Menschen, die solch eine Zukunft für undenkbar und/oder für absolut lächerlich halten. Vor 1000 Jahren hätte aber auch niemand gedacht, dass ein Mensch heute den Großteil seiner Zeit vor einem viereckigen Kasten verbringen kann. Menschliche Evolution ist etwas, dass man wohl nicht wirklich vorhersagen kann. Sie ist das Resultat der Entwicklung eines jeden Individuums, welches durch Faktoren wie Erfahrung und die kontinuierliche Anpassung an seine Umwelt geprägt ist. Doch wohin entwickeln wir uns, wenn wir mehr und mehr in Abhängikeit von moderner Technologie begeben? In Anonymität? Verschließen wir uns immer mehr? Vernachlässigen wir zunehmend die wirklich wichtigen Dinge im Leben wie Familie, Freunde, Arbeit?
Die Fragen häufen sich immer mehr und ich glaube, es gibt nur zwei Möglichkeiten:
1) Wir werfen jeglichen technischen Fortschritt in die Tonne
2) Wir lernen, mit der modernen Technologie bewusst umzugehen
Da Fall 1) mit Sicherheit nicht auftreten wird (es sei denn, der nächste Weltkrieg macht es möglich), heißt die Antwort „lernen, mit der modernen Technologie umzugehen“. Und wenn wir unserem Nachwuchs das nicht beibringen, wird es immer schwieriger werden die Barrieren niederzureißen, die einen Menschen von der Realität trennen.
In Bezug auf dieses Thema gibt es ein Video, dass speziell auf Lehrer ausgerichtet ist und sehr interessante Aussagen trifft:
Vorgetragen von Alvin Trusty bei der eTech Konferenz in Ohio 2008 [hier gehts zum Video].
Ich habe heute Anlauf 2.0 hinter mir. Vor wenigen Monaten habe ich mit einem Blog gestartet, aber es kurzerhand wieder sein lassen…Wieso? Gute Frage. Meine Motivation 1.0 war wohl nicht ausreichend genug, um das hier durchzuziehen. In dieser schnelllebigen Welt, in der wir heutzutage verweilen, wird man überflutet von einer Menge an Informationen. So bedarf es einer gewissen Courage und Selbstdisziplin, um seinen Weg durch die Masse von Informationen zu bahnen. Quasi ein moderner Kreuzzug 2.0, auf der Suche nach dem heiligen Durchblick.
Ich gehöre zu jenen Menschen, die vor Lahmarschigkeit aufgrund mangelnder Disziplin immer etwas länger brauchen. Sieht man ja am Beispiel bloggen. Da ich mich aber beruflich gerade mit dem Thema Informationsaustausch beschäftige, erscheint es mir doch sinnvoll selbst einen Blog zu betreiben. Und ich hoffe, dass das nicht nur ein weiterer Blog in der digitalen Welt wird. Vielmehr bin ich bestrebt Informationen zu tauschen, weiterzugeben und zu erhalten. Und besonders in der heutigen Zeit denke ich mir: Je größer das Netzwerk, desto größer der Informationsaustausch. Lieber zu viel davon, als zu wenig. Und über Risiken kann man sich streiten. Da gibt es sicherlich auch welche, aber hey…
Und zum „Vertrautwerden“ mit all diesen Blogger-Spielereien (muss ich ja auch erst mal lernen, wie hier das Verlinken etc. geht) habe ich auch gleich zwei Quellen gefunden, die schön beschreiben, dass Bloggen keine Zeitverschwendung ist und durchaus ein wichtiger und sinnvoller Bestandteil der World 2.0 ist.
